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10 Jahre interdisziplinäres Netzwerktreffen zum Wohle von Familien

„Andere Kulturen verstehen" ist ein Katalysator für die Inklusion

Die Abensberger Interdisziplinäre Frühförderstelle der Katholischen Jugendfürsorge hat in den vergangenen 10 Jahren das „Interdisziplinäre Netzwerktreffen" erfolgreich etabliert. Es bringt all diejenigen professionellen Partner zusammen, die im regionalen Netzwerk Familien in schwierigen Lebenssituationen beraten und begleiten, deren Kinder fördern oder auch medizinisch wie therapeutisch behandeln. Inklusion spielt in der Region Abensberg eine große Rolle. Das diesjährige Treffen hatte die „interkulturelle Kompetenz" zum Thema – auch das ist ein wichtiger Aspekt professionellen Handelns von Experten in Medizin, Pädagogik, Therapie, Frühförderung und Jugend- und Behindertenhilfe für die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in unserer Gesellschaft.

Richard Ohrner, Gesamtleiter der Einrichtung „Magdalena – von Mensch zu Mensch" der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V., organisiert im 10ten Jahr das interdisziplinäre Netzwerktreffen für die Region Abensberg/Kelheim. Dort sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Interdisziplinären Frühförderstelle, aus KITAS, Ärztinnen und Ärzte, Vertreter des Jugendamtes, der Erziehungsberatungsstelle, der flexiblen Jugendhilfe des Berufsbildungswerkes St. Franziskus, der Offenen Behindertenarbeit und des Kinderhauses sowie Kinder- und Jugendtherapeutinnen/-therapeuten aus dem Landkreis Kelheim vertreten.

Richard Ohrner musste nicht lange fragen: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben es mit Familien und Kindern aus allen Teilen Deutschlands, aus Afrika und der arabischen Welt, aus Osteuropa, der Türkei, aus dem Kosovo und mit Asylbewerbern aus unterschiedlichen Staaten weltweit zu tun. Deren Kinder besuchen eine Kinderkrippe, sind im Kindergarten oder in der Schule. Wenn sich die Eltern Sorgen um ihre Kinder machen, weil sie in der Entwicklung auffällig sind oder eine Behinderung haben, besuchen sie die Frühförderstelle von Magdalena, konsultieren Kinderärztinnen und -ärzte oder begeben sich in therapeutische Behandlung.

„Wir sind Berater, Unterstützer, Begleiter, Fürsprecher für Kinder und nicht zuletzt auch Mittler und Vermittler", sagen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frühförderung. Sie sind oft die erste Anlaufstelle, wenn Eltern von Kindern mit Behinderung oder bei drohender Behinderung Rat und Hilfe suchen. Die Experten machen deutlich, dass sowohl das eigene als auch das Denken, Fühlen und Tun eines Gegenübers im beruflichen Alltag sehr vielfältig und anspruchsvoll ist. Dementsprechend gäbe es viele Deutungsmodelle und Erklärungen für das Verhalten der unterschiedlichen Personen auf beiden Seiten: Profi und Ratsuchende. „Damit umgehen zu können, das ist unser täglich‘ Brot", meint Richard Ohrner. Doch was braucht es dazu, damit dies gut gelingt? Und besonders auch dann, wen die Klientel aus einem anderen Kulturkreis kommt?

Schlüssel zum Erfolg: Interkulturelle Kompetenz

Diplom Psychologin Heike Abt von IKO; Institut für Kooperationsmanagement in Regensburg, vermittelte in ihrem Vortrag die wichtigste Aspekte interkultureller Kompetenz. Als Ergänzung zum theoretischen Input übten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sie sich in konkreten Situationen verhalten können.

Wer seinem Gegenüber offen und wertschätzend begegnen kann, wer zuhören kann, empathisch ist und kulturelle Vielfalt ohne Wertung akzeptiert, der hat schon einige interkulturelle Kompetenzen erlernt. Die Welt mit den Augen des anderen zu sehen, sich zurücknehmen und das eigene Handeln reflektieren, gehören außerdem dazu. Doch interkulturelle Kompetenz bedeutet auch, beständig und aufs Neue zu lernen. Selbst wenn sich immer wieder Situationen ergeben, die neu und herausfordernd sind, bleiben Experten handlungsfähig.

Referentin Heike Abt fand beim 10ten Interdisziplinären Netzwerktreffen hervorragende Bedingungen für ihren Workshop, wie sie selbst sagte. Viele Perspektiven seien bei den Teilnehmern schon vorhanden. „Interdisziplinarität fördert das multiperspektivische Sehen", stellte sie heraus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben insgesamt ein sehr gutes Feed-back. Die Kombination von Theorie und Praxis empfanden viele als bereichernd. Das Erlernte konnte in den Übungen vertieft werden. Diplom Sozialpädagogin Andrea Hertlin aus dem Jugendamt Kelheim (Pflegekinderwesen) sagte: „Das ist die Basis unserer Arbeit. Wir haben immer mit fremden Kulturen zu tun, da braucht es gegenseitiges Verständnis." Der Leiter des Jugendamts Kelheim Norbert Birnthaler schloss sich dem an. „Die Sicht auf uns selbst, mit unserer deutschen Sozialisation und Eigenart, macht betroffen und öffnet den Blick für das Gegenüber", so Birnthaler.

Text: Christine Allgeyer

Richard Ohrner begrüßt Diplom Psychologin Heike Abt und die Teilnehmer
 

Teilnehmer bei einer Gruppenarbeit

Bilder: Ralf Wargitsch