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„Schön, dass die Familien unsere Arbeit so schätzen."

Ein gemeinsamer Festakt im Rahmen des Herbst- und Familienfestes von „Magdalena - von Mensch zu Mensch" für zwei Jubiläen: Erfolgreiche 25 Jahre Integratives Kinderhaus und 20 Jahre Offene Behindertenarbeit der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. verdienen eine richtig große Feier! Darin sind sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Teileinrichtungen von Magdalena einig. Deshalb ist die Integrations- und Begegnungsstätte Cabrizio in Offenstetten genau der richtige Ort, um mit allen Menschen, die den Einrichtungen verbunden sind, am 7. Oktober zu feiern. Landrat Dr. Hubert Faltermeier und Bürgermeister Dr. Uwe Brandl eröffnen nach Richard Ohrner, dem Gesamtleiter von Magdalena, Teilnehmern der Offenen Behindertenarbeit und KJF-Direktor Michael Eibl die Veranstaltung mit Grußworten.
 

Magdalena feiert Jubiläum

"Jeder darf so sein wie er ist."

„Weil ich hier so sein kann, wie ich bin", antwortet Eva Stöckl, Erzieherin im Kinderhaus, auf die Frage, was sie an ihrer Arbeit schätzt. Damit hat sie auf so wunderbar einfache Weise auf den Punkt gebracht, was die Einrichtungen Kinderhaus und Offene Behindertenarbeit (OBA) für die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung erreichen wollen, für die Familien und Menschen, die zu ihnen kommen: „Jeder darf so sein, wie er ist" – angenommen mit seinen Gaben und Schwächen, gleichberechtigt und selbstbestimmt in der Gemeinschaft – formuliert es Inge Rauscher, Leiterin des Kinderhauses. „Inklusion in der täglichen Arbeit heißt auch vertrauen, wertschätzen und genau hinsehen und -hören", bestätigt KJF-Direktor Michael Eibl. Dies, so Eibl weiter, zeichne die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen in Kinderhaus und OBA aus. „Sie leisten schon seit über 20 Jahren einen großartigen Beitrag zur selbstbestimmten Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

„Wir achten auf das Tempo jedes Einzelnen."

So beschreibt Inge Rauscher die Förderung der aktuell 30 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren im integrativen Montessori Kinderhaus. So sind Integration und Montessoriarbeit die Schwerpunkte des pädagogischen Handelns der 8 Mitarbeiter/innen in zwei Gruppen, in denen jeweils fünf der Kinder einen besonderen Förderbedarf haben. „Das bedeutet, miteinander leben und lernen." Da jeder Mensch nach seiner persönlichen inneren Uhr lerne und Antworten auf Fragen suche, die in ihm auftauchten, versuchen die Fachkräfte im Rahmen der Montessori-Pädagogik dem inneren Drang der Kinder zu vertrauen. „Wir schaffen Raum für tiefe Konzentration, wir sehen, wenn Aufmerksamkeit aufblitzt. Wir schätzen den Ausgleich der Stille und des Ruhens, wir lassen den Fluss der Bewegung fließen", so Rauscher weiter. Das ist in den kleinen Gruppen auch gut möglich, erklärt Erzieherin Monika Kiermayer, „wir beobachten genau und können die Kinder intensiv betreuen und fördern."

Das Kinderhaus in der Region Kelheim wird von Familien gut angenommen. Ein großes Plus liegt in der engen Zusammenarbeit mit der Interdisziplinären Frühförderstelle von Magdalena und der OBA. Sie ermöglicht einen wertvollen fachlichen Austausch und weitere Hilfen. Im Jahr 2000 wurde das Kinderhaus erweitert und barrierefrei gestaltet. Seitdem gibt es zwei parallel laufende Kindergruppen am Vormittag.

Nachfrage lässt sich kaum bewältigen

Das ist die aktuelle Bilanz der OBA für den Landkreis Kelheim. Besonders der Familienunterstützende Dienst wird gerne von den Familien mit einem behinderten Familienmitglied in Anspruch genommen. Die Mitarbeiter/innen beraten darüber hinaus in allen behinderungsrelevanten Fragestellungen, gestalten Freizeit- und Bildungsangebote für Menschen mit Behinderungen, ihre Familien und Freunde, moderieren Infoveranstaltungen und sprechen gezielt auch Angehörige mit ihren Angeboten an. Edith Stocker, Leiterin der OBA, zeigt sich zuversichtlich: „Mit einem vergrößerten Team können wir in Zukunft noch besser auf die Bedürfnisse unserer Teilnehmer/innen eingehen."

Das Wichtigste für die Arbeit der OBA ist die enge Zusammenarbeit mit den Familien. „Wir stellen uns auf die Bedürfnisse und die momentane Situation jedes Einzelnen ein und akzeptieren ihn in seiner jeweiligen Lebenslage", stellt Edith Stocker heraus. Sie kann sich auf ihr Team verlassen: Professionelle Partner, die ein umfassendes Wissen über Behinderungen, rechtliche Aspekte, Alltagsprobleme und Lebenssituationen haben – eine qualifizierte Beratung ist so gewährleistet.

Herausfordernd ist die Arbeit allemal. Wo möglich versucht das OBA-Team mit seinen 12 Mitarbeiter/innen auch Menschen ohne Behinderungen für ihre Angebote zu gewinnen oder mit ihren Teilnehmern/innen dort die Freizeit zu verbringen wo es auch Gleichaltrige ohne Behinderungen tun. Denn die OBA will den Inklusionsgedanken in der Bevölkerung lebendig werden lassen und inklusive Formen der Beschulung, der Arbeit und Freizeitgestaltung verwirklichen oder unterstützen. „Wir beantworten auch Fragen zum Persönlichen Budget", so Stocker. Darüber also, wie Menschen mit Behinderung selbst entscheiden und regeln können, welche Leistungen sie beanspruchen möchten.

Für die Zukunft will Edith Stocker die Angebotspalette der OBA weiterhin den aktuellen Bedürfnissen anpassen. Auf die vergangenen Jahre blickt sie mit Dank zurück, den sie besonders an die KJF als Einrichtungsträger und an die verschiedenen Einrichtungen, Institutionen und Vereine im Landkreis richtet, die mit der OBA zusammengearbeitet haben und inklusive Kurse mit angeboten haben.

Weiterführende Informationen:

Im Montessori Kinderhaus der KJF lernen Mädchen und Jungen mit und ohne Behinderungen sowie Kinder mit speziellem Förderbedarf von klein auf, gemeinsam zu spielen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, ein „Anders-Sein" als etwas Natürliches
zu sehen. Jedes Kind soll sich bestmöglich entwickeln können, jeden Tag ein Stückchen selbstständiger werden, Beziehungen und erste Freundschaften entwickeln.

Die OBA der KJF wendet sich an Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige und Freunde aber sie spricht auch alle anderen Bewohner des Landkreises an und möchte hier Kontakte und gegenseitige Begegnungen fördern. Stunden– oder tageweise Betreuung, Hilfe im Umgang mit Behörden und beim Ausfüllen von Anträgen, Freizeitangeboten etc.

Herbst- und Familienfest von „Magdalena – von Mensch zu Mensch" mit Festakt zu den Jubiläen:
Der Festakt beginnt am 07.10.2011 um 14.00 Uhr im Cabrizio in Offenstetten. Die Begrüßung erfolgt durch Gesamtleiter von Magdalena Richard Ohrner zusammen mit Johanna Wassermann, Klaus Fleichschmann und Martin Stadler –Teilnehmern/innen der OBA. KJF-Direktor Michael Eibl, Landrat Dr. Hubert Faltermeier und Bürgermeister Dr. Uwe Brandl sprechen Grußworte. Das Kinderhaus, die Musikwerkstatt Abensberg, Teilnehmer/innen von Gruppenangeboten der OBA, Franz Fischereder mit seinem Puppenspiel und Märchen sorgen mit ihren Darbietungen für gute Unterhaltung.

Text: Christine Allgeyer